Chapter

Judenmassakre

Es war vor etwa fünfzehn Jahren in einer Stadt an der Wolga. An einem heißen Junitag arbeitete ich vom frühen Morgen am Ufer des Flusses, ich beteerte eine Barke, und es nahte schon die Mittagsstunde, als hinter mir irgendwo in der Vorstadt ein dumpfes, zorniges Geräusch ertönte, das wie Gebrüll gereizter, hungriger Ochsen klang. Ich war auch hungrig und wollte mit der Arbeit rascher fertig werden, weshalb ich auch anfangs diesem fernen Geräusch keine Aufmerksamkeit schenkte. Mit jedem Augenblick aber wuchs der Lärm, wie der Rauch mit dem Brande wächst. In der schwülen Luft über der Vorstadt stand eine trübe Staubwolke. Ich schaute in jene Richtung, und es kam mir vor, als wenn disharmonische Töne die Luft schwängerten, indem sie sich mit dem Staub von der Erde erhoben. Immer dichter wurde der Staub, die Töne lauter und mannigfaltiger, die Luft zitterte, und mit ihr erbebte auch das Herz in der Vorahnung vor etwas Bösem. Ich warf die Arbeit fort und stieg auf dem sandigen Ufer hinauf, um auszuschauen. Aus den Toren der Häuser stürzten Leute heraus; sie liefen längs der Straße irgendwohin in die Tiefe des Vorortes, ihnen nach liefen Hunde und Kinder, erschreckte Tauben flatterten über ihren Köpfen und Hühner irrten vor den Füßen umher. Hingerissen von der allgemeinen Verwirrung, begann auch ich zu laufen. »Auf der Elisawetenskaja rauft man!« schrie jemand. Ein Lastwagen kam den

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