Juana
Juana. »Nun, was sagt Ihr zu diesem Stimmchen, Sennor? – Ist es nicht glockenrein? Nicht ein Stimmchen zum Küssen, zum Verlieben, zum Rasendwerden?« fragte der wohlbeleibte Marquis von Villa-Marinquez, Kontador des Rates de hazienda zu Madrid, seinen Begleiter, den Musikdirektor der königlichen Garde, Joseph Melchior Gomis. »St! St!« winkte ihm dieser, um ja keinen Ton der Wunderkehle zu verlieren, welche wie eine unbelauschte Nachtigall das Schweigen der Nacht mit ihren schwellenden Klängen belebte. Kalt rieselte es dem jungen Meister vom Wirbel bis zur Zehe nieder; es war der süße Schauer des Entzückens. Seine Augen, in welche sich unwillkürlich Tränen schlichen, verbarg er in der hohlen Hand, um ja durch nichts im Genusse gestört zu werden. Der wohlbeleibte Kontador hingegen war ein Enthusiast ganz anderer Art. Seine schwarzen, stechenden Augen leuchteten mit eigentümlichem Glanze aus dem braunroten Gesichte hervor. Um die aufgezogene Adlernase, welcher seine Rechte verschwenderische Prisen Spaniols zuführte, spielte ein lüsternes Lächeln, und sein ganzes Wesen schien zu verraten, daß seine Begeisterung nicht sowohl dem Gesange, als der Sängerin gelte. Die herrliche Stimme, welche zwar nur ein einfaches kastilianisches Volksliedchen vortrug, aber dabei einen solchen Aufwand von Kraft, Klarheit und Schmelz kund gab, wie man es nur selten im Leben zu hören pflegt, scholl unter