Kapitel 1
Am Osternachmittag sitzen im Chausseegraben nicht weit vom Matziger Walde zwei Liebesleute – der Jons Baltruschat und die Erdme Maurus. Ach du gütiger Gott, was sich nicht alles lieben will auf Erden! Selbst die Aller-, Allerärmsten, die kaum das nackte Leben haben, möchten ein Nest bauen. Der Jons ist das, was der Litauer einen »Antrininkas« nennt, der »Knecht eines Knechtes«. Das sagt wohl genug. Und die Erdme hat unter den Deutschen ihr Glück machen wollen. Vorläufig dient sie als Abwaschmädel in dem Schlopsniesschen Gasthaus nicht weit vom Bahnhof, das die Leute in Heydekrug meistens das »Hotel Lausequetsch« nennen. Mit Unrecht übrigens, denn in der letzten Zeit hat es sich sehr gehoben. Sogar die besseren Viehverlader verkehren bisweilen darin. Ausgeputzt sind sie beide. Der Jons hat seine blanken Kirchgangsstiefel an und die schwarze Tuchjacke mit dem türkischen Halstuch. Und die Erdme – die ist nun gar eine Feine! Litauisch trägt sich die doch nicht mehr! Sie hat ein weißes Zephirwollentuch um den Kopf geknüpft und eine halbseidene Bluse an, die hinten zuzuhaken ist. Die hat ihr einmal die Kellnerin geschenkt, weil sie ihr in ihrem Fortkommen hinderlich war. Jung, stark und hübsch sind sie beide. Aber das ist auch alles. Eltern mit Haus und Hof haben sie nicht. Überhaupt - wo sie herstammen, davon reden sie lieber gar nicht. Die Erdme hat nicht viel Zeit. Denn um acht