Erstes Kapitel
Am andern Morgen, als wir erwachten, befanden wir uns mitten im ägäischen Meere und segelten auf die unter dem Namen Cykladen bekannte Inselgruppe zu. Gegen Abend fuhren wir durch die Meerenge, welche Tenos von Mykone trennt, und warfen dann in dem Hafen einer kleinen Insel den Anker aus. Constantin sagte, daß wir hier übernachten würden, und lud mich ein, einige seiner Leute auf den Wachtelfang zu begleiten und nachher mit ihm und Fortunato das Nachtessen einzunehmen. Diese Unterhaltung hatte in meiner trüben Stimmung keinen großen Reiz für mich; aber als ich erfuhr, daß diese kleine Landzunge unter dem modernen Namen Ortygia den altberühmten Namen Delos verbarg, so stieg ich in die Schaluppe — nicht um Wachteln zu fangen, sondern um die schwimmende Wiege der Diana und des Apollo zu besuchen. Diese Insel soll vor Zeiten, wie Plinius berichtet, reich an Palmen gewesen sein, allein jetzt würde man vergebens einen einzigen Palmbaum auf derselben suchen. Um der flüchtigen Latona eine Zuflucht zu bieten, hatte Neptun die Insel mit einem Schlage seines Dreizacks aus dem Meere hervorgetrieben; anfangs schwamm sie unstät auf den Wellen umher, bis Jupiter sie mit diamantenen Ketten zwischen Skyros und Mykone an den Meeresgrund fesselte. Latona wurde von Geburtsschmerzen befallen, und sobald sie die ersten Klagetöne hören ließ, stiegen Thoa, Dione und Amphitrite aus dem Meere und eilten