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Dresden, Silvester 1930

Dresden, Silvester 1930 Mein Gott – Sopherl – in Siedlungshäusern sollte man keinen Silvesterabend feiern. Ich meine so mit Jazz und Jazz und nur Jazz und immer wieder dieselben Schlager. – Und auf verstimmtem Grammophon! – Und wenn die Reihenfolge einmal wechselt, erschrickt man schon und glaubt an eine Variation des Abends. – – Wie kann man überhaupt in diese winzigen zwei Vorderräume acht Paare zu Silvesterpunsch und Tanz einladen! – Mausi Merker war heute gegen Abend bei uns und bat, wir möchten entschuldigen, wenn es heute ein wenig länger dauern würde. Nun sind wir dieses »ein wenig länger« ja reichlich gewohnt; aber schließlich und endlich, Merkers sind ganz junge Leute, zwei – drei Jahre verheiratet, kinderlos – berufstätig, und da versteht man schon – wenn – – Ich weiß jetzt, was Du denkst, mein Liebes: »Arme kleine Jo – aus dir spricht maßlose Verbitterung. Kaum dreißig Jahre alt und seit elf Jahren einen gelähmten Mann – kein Wunder.« – – Weiß Gott, Sopherl, Gutes, ich bin nicht verbittert, glaubte es nie zu sein, aber Silvester sollten Menschen, die keine Zukunft haben und die Augen schließen, wenn sie an die Vergangenheit denken, nicht feiern. Sie sollten ein Schlafpulver nehmen und früh zu Bett gehen. – Aber Dieter will eben aufbleiben. Er will das an jedem Silvester. Ich mußte ihm sogar heute abend die bessere Litewka anziehen – den Punsch nahe an den Rollstuhl

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