Incipit vita Hieremiae prophetae
Incipit vita Hieremiae prophetae Der Mann, der seine Hand an die Augen hält, um sie vor der blendenden Abendsonne zu schützen, sieht nicht ohne Verwunderung an seinem Gelenk ein breites Lederband. In dieses Band ist eine Kapsel eingenäht und die Kapsel enthält einen Pergamentstreifen mit einigen Schriftzeichen. Ein starker Segen Gottes. Eine Spanne lang hat er sich in den Anblick verloren und muß erst wieder zurückfinden in die Erinnerung seiner selbst. Noch immer schwebt ihm das Lederband mit dem Segensspruch vor Augen. Ja, seine Mutter, des Hilkijah Weib, knüpfte es am Morgen dieses Tages um sein Gelenk, ehe er aus Anathot ritt, um in den wahrhaftigen und einzigen Tempel des Herrn einzugehen. Das Segensband ist ein Erbstück aus seiner Mutter Vaterhaus von altersher. Dieser Tag aber ist ein Tag der Ehre, ein Tag, da der Herr im Tempel seiner Jugend sich freut. Wie erregt war die Mutter gewesen. Sie selbst hatte ihn geweckt. Und wohlbegründet war ihr Stolz. Aus allen Vaterhäusern der Priesterschaft, die ringsum im Lande leben, ohne im Tempel bedienstet zu sein, hat von den jüngsten Söhnen einzig ihn, Jirmijah, die Berufung getroffen. Sein Vaterhaus freilich ist eines der ältesten in Jehuda und Benjamin, reicht es doch in die heilige Gezeit bis zu Ebijathar, dem Verbannten, bis zu Eli, dem Priester von Siloh, bis zu Mose und Aaron selbst. Heute ist Jirmijah auserwählt, beim