Einleitung
Jean Jacques Rousseau! Welch ein Name! Welche Welt von Gedanken entsteht in uns, wenn wir ihn nennen hören; welches Bild von der Macht und dem Einfluß eines einzigen Geistes auf das Menschengeschlecht; welche Gefühle werden in uns wach, der Sympathie mit der wundersamen Stärke seiner Empfindungen, des Mitleids mit seinen Schicksalen, des Unwillens über seine unbegreiflichen Schwächen, der Bewunderung endlich jener beispiellosen Aufrichtigkeit, womit uns diese Schicksale geschildert, diese Schwächen eingestanden werden! Nie war ein Charakter mehr aus sonst unverträglichen Elementen gemischt, nie standen in einem Menschen die Kraft und die Schwäche dichter neben einander. Der Eigenschaften, welche sich scheinbar völlig ausschließen müssen, lag eine Fülle in ihm friedlich neben einander. Er war schüchtern, blöde, linkisch, verlegen und konnte die Verwogenheit selbst sein; er war leichtgläubig, lenkbar, hingebend, der Urtypus eines Idealisten, und dennoch war er ebenso fähig zu raschen und entscheidenden Entschlüssen und zu energischem Handeln, wenn der Moment es von ihm verlangte. Das trat am meisten hervor damals, als er mit einem Amt bekleidet war, welches ihm täglich praktische Lebensaufgaben zuführte – in seiner kurzen Glanzzeit in Venedig, die ach sobald mit einer grausamen Katastrophe endete; es war nicht das Schicksal des armen Jean Jacques, sich lange in Ruhe und