Kapitel 1
Als ich am 23. April 1893, jenem wunderschönen Frühlingssonntag, in dessen Mittagsstunden mein Liebesdrama »Jugend« zum erstenmal über die Bretter ging, das Theater in der Berliner Blumenstraße verließ, hätte mir der Himmel wohl voller Geigen hängen können. Der Erfolg des Stückes – um so schlagender je überraschender er für alle Welt kam – ließ füglich keine Umdeutungen oder Falschmeldungen durch Übelgesinnte zu. Durfte ich nicht hoffen, am Ziel aller meiner Wünsche zu sein? Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich wirklich so empfunden habe, möchte es jedoch im Hinblick auf meine damals entschieden düstergefärbte Grundstimmung verneinen. Jedenfalls weiß ich heute, da ich dieses niederschreibe – genau vierzig Jahre später –, daß ich mich in jener überwältigenden Stunde nicht am Ende, sondern erst am Anfang meines eigentlichen Lebenskampfes befunden habe. Man vergegenwärtige sich die Umstände. Ich stand im achtundzwanzigsten Jahr. Es war meine vierte dramatische Arbeit, mit der ich mir die Bühne nunmehr endgültig erobert hatte. Die beiden ersten Stücke waren überhaupt nicht ans Rampenlicht gelangt, waren Buchdramen geblieben. Mit dem dritten, dem »Eisgang«, hatte ich es zu einigen geschlossenen Aufführungen in der »Freien Volksbühne«, einer doch parteimäßig gebundenen Vereinigung, gebracht. Jetzt stand ich als Träger eines unbestrittenen Sieges im Licht der breitesten