Januar Die Raiffeisen Oeffnet Spaet
Die Raiffeisen öffnet spät im Januar,
acht Uhr dreißig, wenn es endlich dämmert.
Vor dem Eingang steht der Salzsack aufgerissen,
jemand hat ihn mit dem Ellenbogen getreten,
weiße Körner im schwarzen Matsch.
Frau Köhler an der Kasse
zieht die Handschuhe aus, einen nach dem anderen.
Sie ist die Witwe, seit drei Jahren.
Ihr Mann war Elektriker in Plauen,
die Leitung, sagte der Arzt, sei einfach gerissen
wie ein Kabel unter Last.
An der Kasse sagt sie zu jedem: Morgen.
Der Morgen ist schon vorbei,
aber keiner korrigiert sie.
Die Brötchen im Aufbackregal
haben die Farbe des Himmels.
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Zwischen den Regalen für Vogelfutter und Frostschutz steht der alte Herr Kaltenbrunner und überlegt, ob er sich den teureren Streumittel-Eimer leisten kann. Er steht lange. Niemand fragt ihn etwas.
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Die Landesstraße nach Hof
ist schwarz und leer.
Zwei Kinder gehen zur Schule,
die Tornister schwerer als sie selbst,
und an der Bushaltestelle
hat jemand eine Bierflasche stehen lassen,
halb gefüllt, halb Eis.
Ein Laster aus Bayern
fährt durch, ohne zu bremsen.
Die Rücklichter sind rot wie ein Gedanke,
den man nicht ausspricht.
Kornweilen. Einwohnerzahl: vierundzwanzighundertdrei.
Auf dem Schild am Ortseingang
hat der Frost die Ziffern zerfressen.
Es könnten auch weniger sein.
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Im Gemeindesaal probt niemand. Der Schlüssel hängt beim Hausmeister, und der Hausmeister hat Urlaub. Im Januar