Erstes Kapitel
Vor zweihundert Jahren und etwas darüber, zu den Zeiten des mächtigen Cardinals Richelieu, die Vorstadt des heiligen Antonius weit draußen vor der Stadt Paris, ein Häuflein unansehnlicher Gebäude, geschart um die Abtei, von welcher die Vorstadt noch heute den Namen führt. Wo jetzt der Quai de la Rapee mit stattlichen Häusern am Seinestrand und dahinter gleichlaufend die Straße von Berry sich hinziehen, dort war nichts anzutreffen als wellenförmige Gelände, von dessen Höhen vereinzelte Landhäuser streng verwahrt herniederschauten; wo heute die Ramboilletstraße so ziemlich am Ende der inneren Vorstadt zu finden, dort stand das Hotel von Ramboillet mit seinen weitläufigen Gärten, und unter diesen das »rothe Haus«, vom Gestade nur durch die Breite des Fahrweges getrennt. So sicher und eben das heutige Geschlecht dort wandelt, und selbst in dunkler Regennacht den Glanz der Sterne nicht vermißt, eben so unsicher war ehedem der holprige Pfad, und der Ordensmann in weißem Gewande mit dem schwarzen Mantel hatte wohl Recht, seine Schritte zu fördern, als er in der Dunkelheit des regnerischen Lenzabends vom rothen Hause der Stadt zueilte. Zwar war er groß und stark, auch sonst unerschrockenen Gemüthes, und sein geistliches Kleid noch mehr einen Panzer werth, als der Stachelstock in seiner Hand einen Spieß; aber er kam vom Sterbebette eines Freundes und trug eine ungewohnte Last, nämlich