Kapitel 1
In Sorrento hatten zu Anfang des Mai zwei verschiedene deutsche Familien sich angesiedelt. Beide hatten eine Wohnung gewählt mit der Aussicht nach dem Golf; womöglich nahe am Felsgestade. Beide athmeten und lebten, um so zu sagen, von Luft und Licht, vom Meeresglanze und vom Duft der magischen Scenerie. Innerhalb der vier Mauern hätte man sie selten gefunden, was indeß nichts Auffälliges ist, denn außer der brennendsten Tageshitze pflegt das überhaupt selten Jemand zu begegnen. Am wenigsten einem Forestiero, da die für sie hergestellten Wohnungen gewöhnlich nicht zum Verweilen einladen. Entweder sind sie so roh, nackt und leer, wie der Südländer es, und nichts mehr, verlangt, oder vom importirten Luxus aus Paris und London ohne Geschmack so überladen, daß, wenigstens nach dem Maaßstab einer deutschen Familie, entweder die Reinlichkeit, oder Wärme und Behaglichkeit, oder gar beides ihnen fehlen. Beide Familien halten absichtlich Wohnungen vermieden, wo die prachtvollen Teppiche und Gardinen den gesprungenen und fettigen Estrich verbergen sollen, und hatten in bescheidenen Häusern bescheidene Räume gemiethet. Sie waren also, wird man mit Recht vermuthen, weder wie Mylords noch russische Fürsten, sondern wahrscheinlich, meinten die Leute, so etwas wie Artisten, worin die Leute auch wohl Recht hatten. Die guten Sorrentiner verwunderten sich aber über etwas. Wer ist nicht, der in