Vorwort
An einem schönen Sommernachmittag wurde ich zu einem Bach geführt und gebadet. Es war das erste Mal in meinem Leben, daß ich in fließendes Wasser tauchte, und ich muß sehr ängstlich ausgesehen haben. Mein Schwesterchen, das nur wenige Jahre älter war als ich, aber schon viele Erfahrungen in der Welt gesammelt hatte, meinte tröstend, daß das Baden in einem Bach sehr schön sei. Sie selbst badete aber nicht, sie stand nur am Ufer und führte mich mit beiden Händen immer weiter zu einer tieferen Stelle, so daß ich zum Schluß bis zum Hals eingetaucht war. Nachdem ich dann so eine Weile in der Flut hin- und hergewatet war, stellte sie mich auf einen Felsen, ließ mich abwechselnd auf einem Fuß treten und einen Spruch wiederholen: »Tongdong halmi, laß mich trocken werden!« Halmi heißt so viel wie »Alte Frau«, das wußte ich schon, ich wußte aber nicht, wer diese alte Frau Tongdong war. Ich vermutete nur, daß sie wie alle alten Frauen in Korea grauhaarig und blütenweiß gekleidet sein mußte. Als ich meine Schwester fragte, wo diese alte Frau lebe, sagte sie: »Ach, irgendwo zwischen den hohen Felsen! Du mußt auf alle Fälle immer das Sprüchlein hersagen, wenn du gebadet hast, sonst kommt eine andere alte Frau, die alte Frau Magu, die dich krank macht. Diese alte Frau lebt auch zwischen den Felsen.« Sie waren also auch unsichtbare Wesen. Ich hatte aber keine Furcht vor ihnen, weil es heller