Kapitel 1
Das neue Schuljahr nahm acht Tage nach Ostern seinen Anfang. »Wie Kraniche, ihr Klagelied singend, ziehn –« so wälzten sich die Gymnasiasten von Stolpenburg in endlosen Reihen heran, alle in jener trostlosen Stimmung unbestimmter Gewissensangst, wie sie nach den Ferien auch des redlichsten Schülers Brust beklemmt, nachdem die von hundert jungen Herzen liebevoll gepflegte Hoffnung wieder einmal zuschanden geworden ist, die Hoffnung, es möchte noch in der letzten Nacht das Gymnasialgebäude ein Raub der Flammen oder der Direktor eine Beute jähen Todes geworden sein, oder mindestens werde durch den Ausbruch der Cholera, der Pest oder des Schwarzen Todes, durch einen tropischen Zyklon, ein ungeheures Erdbeben, die plötzliche Erhebung eines feuerspeienden Berges mitten auf dem Marktplatz oder ein ähnliches Ereignis von öffentlichem Interesse der Beginn des Unterrichts noch um einige Tage verzögert werden. Auch diesmal war nichts dergleichen geschehen; die breite Tür des Gymnasiums war höhnisch aufgesperrt, und nicht das kleinste Hindernis stand dem freien Eintritt in die Klassenräume entgegen. Da waren sie wieder, die kahlen, graugetünchten Wände, die großen Fenster mit den kleinen Scheiben, die schwarze Tafel, das dräuende Katheder, die 6 nüchtern hingereckten Tische; selbst der einzige Schmuck der letzteren, die kunstvoll eingeschnittenen Buchstaben, flammende oder durchbohrte