Briefe 1788
J. G. Herder an Herzog Carl August Weimar, 26. 4. 1788 Gnädigster, bester Herr, Inlage empfing ich so unvermutet, als ob sie mir vom Himmel zugefallen wäre; in einem Zustande, in welchem mich der Inhalt derselben eben so erfreuete, als betäubte. Ich habe mit der gestrigen Post geantwortet, u. den kleinen Dalberg gebeten, sich über das Wie? Wo? u. Wann? etwas näher zu erklären. Das Weitere müssen Euer Durchlaucht zu seiner Zeit beantworten, u. ich verspreche mir eine gute, gnädige Antwort. [...] Ich wünsche Euer Durchlaucht das beste Wohlsein von innen u. von außen. E[uer] H[erzoglichen] D[urchlaucht] untertänigster Herder. Herzog Carl August an J. G. Herder Aschersleben, den 28. April 1788. Der Antrag, den die Beilage Ihres Briefes enthielt, überraschte mich sehr angenehm. Schon lange wünschte ich eine gute, annehmbare Gelegenheit, die Ihnen den Vorteil verschaffen könnte, Ihre Atmosphäre zu erfrischen, welche hinter dem hohen Schieferdache der Stadtkirche zusammengepreßt werden mag. Der Vorschlag des kleinen Dalbergs ist mir um desto willkommner, da ich vermute, daß er die notwendigen Einrichtungen so treffen wird, daß Sie gewiß kein Hindernis finden werden, mit ihm die Reise nach dem gelobten Lande zu tun, und seine Gesellschaft von der Art ist, daß solche für Sie nicht die mindeste Beschwerlichkeit haben kann, sondern fähig ist, Ihnen vielerlei Annehmlichkeiten zu gewähren.