Vorwort.
Indem ich dem deutschen Publikum eine Sammlung isländischer Märchen vorlege, möge es mir gestattet sein, einige Bemerkungen über das Volk, dem dieselben angehören, vorauszuschicken. Das traurige, abgeschiedene Eisland im nördlichen Ocean lenkt ja nur selten die Blicke der übrigen Welt auf sich. Obwohl an Größe das Königreich Baiern übertreffend und in alter Zeit ein blühender Freistaat, spielt die merkwürdige, jetzt zu Dänemark gehörige Insel außerhalb Skandinaviens doch keinerlei Rolle im Weltverkehr. Den meisten Gebildeten ist Island nur bekannt und interessant wegen seiner Naturwunder, welche immer Gelehrte und Neugierige angelockt und beredte Schilderer gefunden haben. Allein die Aufmerksamkeit und das Interesse der Besucher blieb auch fast nur auf diese Phänomene allein concentrirt; die sonstige Beschaffenheit dieses Eilandes, die socialen, wirthschaftlichen und culturellen Verhältnisse auf demselben fanden nur selten gebührende Beachtung und ernstes Studium durch die Fremden. Die ungeheuren Gletscher und Eisfelder, welche einen großen Theil der Insel bedecken – der Vatnajökull oder Klofajökull im Südosten des Landes erstreckt sich allein über einen Flächenraum von 150 Quadrat-Meilen –, die Stein- und Lavawüsten, welche zusammen über 120 Quadrat-Meilen einnehmen, schrecken den hastenden Schritt des fremden Wanderers zurück oder hemmen ihn auch durch unüberwindliche