Chapter

I.

Oskar Wilm trat auf den kleinen Balkon seines Zimmers und blinzelte in die Sonne, die mit silberblanken Fingern in das Grün des Wassers tupfte. Er legte die Hände um den Hinterkopf und atmete tief und mit Behagen. »Sapperment,« dachte er, »ist das eine Luft. Warm und mollig am Gaumen wie ein Weidenbausch und dabei von einer würzigen Frische auf der Zunge. – Das macht wohl, weil der alte Knabe da drüben sie ausatmet.« Er nickte behaglich mit dem Kinn hinüber zu den schneeigen Zacken des Dent du Midi. Dann trat er vor bis zu dem Eisengitter des kleinen Balkons, lehnte sich mit den Armen auf das Geländer und sog die Landschaft in genießenden Zügen in sich ein. Drüben, gerade vor ihm, jenseits des Sees, lag eine Bergkette, die Häupter von flatternden, sonnendurchglühten Wolkenstreifen umkrönt. Links blinkten diamanten die Fenster des Schlosses Chillon und weiter oben an der Spitze des Sees stand goldumsäumt der Kirchturm des kleinen Nestes Villeneuve. Nach rechts hin flutete das Wasser unabsehbar. Weit, weit, irgendwo dahinten in dem flimmernden Dunst, ahnte man lichtgesättigt die Dächer der Stadt Genf. Hinter dem Garten, zwischen Zaun und See, lief die staubgepuderte Landstraße. Ein Lastwagen rasselte dort vorbei. Schwer gingen die feisten Pferde in ihrem Geschirr. Die Kumte wetzten weiße Schweißstreifen auf den braunen Nacken. Und schwer im Takt der ebenmäßigen Schritte schwangen

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