Chapter

Kapitel 1

Graf Ignaz Sumiersky legte das unscheinbare Blatt Papier – es war ein Briefbogen schlichtester Art – auf die Schreibtischplatte nieder und sah mehrere Minuten sinnend vor sich hin. Der Name klang nicht übel. »Job Christoph von der Thann.« Aber man brauchte auch kein Schriftkenner zu sein, um sofort zu erraten, daß diese Unterschrift von einem Menschen stammte, dessen Wesen und Gewohnheiten von peinlichster Ordnungsliebe und Genauigkeit als bemerkenswerteste Charakterzüge durchsetzt schienen. In klarster Perlschrift stand jedes einzelne Wort, korrekt in Form und Ausdrucksweise, nicht zuviel, nicht zuwenig gesagt, auf dem Papier. Der Graf lächelte überlegen. Und dennoch leuchtete etwas aus den Zeilen heraus, was zu denken gab: Der Schreiber war mittellos, ein brotsuchender, armer Kerl, vielleicht innerlich fiebernd, angstvoll erregt, die Hand gierig ausstreckend nach dem lockenden Köder. Und doch hatte Graf Sumierskys Brief ja nur eine kurze Anfrage bezweckt, ob jener Job Christoph von der Thann, als geprüfter und sprachkundiger Bibliothekar, dessen Fachkenntnisse von bewährter Seite empfohlen worden waren, ihm, dem Besitzer von Schloß Strelnow, einen Dienst zu leisten und für mehrere Wochen daselbst Aufenthalt zu nehmen gewillt sei. Die Antwort lautete befriedigend. Weiteres nach mündlichem Übereinkommen. Gut also! Graf Sumiersky trommelte etwas ungeduldig auf das grüne Tuch.

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