Bonaccia
An Sommerabenden, ehe die Sonne hinter dem Monte Maggiore versinkt, ist es oft so still über dem weiten blauen Golf, daß man nichts vernimmt als das eintönige Ächzen der Ruder in den aus Weidenruten geflochtenen Kränzen, in denen sie sich bewegen, und das leise Rauschen des von den eintauchenden Ruderflächen zurückgeschobenen Wassers. Dann gleitet die Barke wie über geschmolzenes Glas hin, und in der azurnen Tiefe des Grundes erblickt, wer sich über Bord neigt, versunkene Wälder von Seetang, die sich lautlos wie im Winde bewegen, und abenteuerlich geformte Lebewesen, die lauernd in den Schluchten einer unterseeischen Felsenlandschaft kauern. Ein wonniges Gefühl von Reinheit und Frische scheint aus der kristallklaren, salzduftenden Flut emporzusteigen, aus jenem keuschen, makellosen Element, das allen Staub und Moder der Erde, die es umspült, gleichsam entpestet und zur Unschuld und Lauterkeit eines jungfräulichen Urzustandes zurückführt. Es ist etwas eigen Ergreifendes um das rätselvolle Schweigen des Meeres, ein Schweigen, das wie mit Zungen von Abgeschiedenen flüstert. Unwillkürlich erhebe ich, stumm Einhalt gebietend, die Hand – da läßt Vlado, mein Barkenführer, die Ruder sinken. Die Bewegung des Bootes erstirbt allmählich. Das Kinn in die aufgestützte Hand geschmiegt, sitzt der prächtig gewachsene, bildschöne junge Mensch mir gegenüber und läßt sein schwermütig dunkles Auge