Chapter

XXIII. Christian

Ingénue kehrte um so schneller in ihre Wohnung zurück, als sie eine Sache fürchtete und eine andere hoffte: fürchtete sie einen jungen Mann auf der Straße, so hoffte sie einen andern im Hause. Darum hatte sie so bald heimzukehren gewünscht; darum hatte sie so sehr an den Ecken der Straßen geschaut, während Rétif vergebens für sie seine reinste Moral, abgefaßt in Worten, welche elegant genug, um Eindruck zu verdienen, verschwendete; deshalb endlich, statt empfänglich, wie sie es vielleicht gewesen wäre, für die Hingebung des Unbekannten zu sein, der sie dem Volksgedränge auf der Place Dauphine entrissen, deshalb beschränkte sie sich darauf, daß sie ihm auf eine Weise dankte, die ihm Verdacht einflößte. Die große Tugend der Mädchen gleicht der Reinheit der wieder strahlenden Seen: ihre Durchsichtigkeit entspricht dem Verhältniß der Reinheit des Firmaments. Derjenige, welchen Auger Monseigneur genannt hatte, schien also kein vermessenes Urtheil gefällt zu haben. In der That, als Ingénue eintrat und zwei Stockwerke hinaufgestiegen war, fand sie auf dem Ruheplatze, sitzend, den Kopf in seinen Händen, einen andern jungen Mann, der, ihren Tritt erkennend, aufstand. »Sind Sie es, Mademoiselle Ingénue?« sagte er. »Ich bin es, Herr Christian.« »Ich erwartete Sie sehr ungeduldig. Kommt Ihr Vater herauf? Nimmt er, wie gewöhnlich, sein Licht beim Nachbar Specereihändler?« »Mein Vater ist

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