In der zwölften Stunde
» E s verlohnt sich nicht mehr der Mühe, zu Bett zu gehen. Es wäre ein zu prosaisches Ende einer solchen ambrosischen Nacht. Hörst Du, Sven, wie die Vögel über uns in den dichten Kronen der Kastanien mit verschlafenem Zwitschern das Herannahen der Sonne verkündigen? Komm, laß uns das Erscheinen der Himmlischen begrüßen! Diese Straße hier führt an das Ufer, wie Du Dich von früher her erinnern wirst, als Du und ich, zwei Knaben wilder Art, so brüderlich zusammen aufgewachsen –« »Ich bitte Dich, Benno, wenn Dir an meiner Gesellschaft etwas liegt, schwatze etwas weniger viel und laut. Mir ist von den Erinnerungen, die heute Nacht durch mein Hirn gezogen sind, so still –« »So feierlich, so ganz, als wollt' es öffnen sich – das ist der Tag des –« »Adieu, Benno, frage morgen, wenn Du die Wirkungen der Bowle verschlafen hast, im goldnen Stern nach mir.« »Bruderherz, geliebtes! verschließe Dich nicht vor mir hinter den Pforten Deiner Karavanserei zu den übrigen Kamelen und Dromedaren! Ich will ja auch stumm sein, taubstumm, wenn Du willst; aber verlasse mich nicht jetzt, und mische nicht durch Deinen hypochondrischen Eigensinn Wermuth in die Süßigkeit eines Wiedersehens nach langen Jahren der Trennung! Im Ernst, Sven, ich will vernünftig sein; die aufgehende Sonne soll an diesem Tage noch keinen vernünftigeren Menschen beschienen haben.« Der so sprach und bei den letzten Worten den Arm