Erstes Kapitel
Nun war Hellmrich schon sechs lange Wochen daheim in Berlin. Daheim, wirklich daheim? Ach nein, noch fühlte er sich fremd, wie ein Gast im Hause seiner Mutter, noch zog es seine Seele in geheimem, tiefem Sehnen zurück nach dort, wo sie sich so lange geborgen gefühlt hatte. Freilich äusserlich hatte er sich ja nun schon ganz eingelebt in die neuen, so gar anders ausschauenden Verhältnisse, er schreckte nicht mehr schmerzerfüllt oder verbittert bei jedem Druck der engen Schranken zurück, die ihn, den so lange Freien und völlig Unabhängigen, hier auf Schritt und Tritt einpferchten. Ach, wie unerträglich war das in den ersten Tagen gewesen. Schon seine Ankunft! Als er aus der vertrauten Stille des lieben alten Nestes, das da draussen fern vom Weltgetriebe beschaulich einen Tag wie den andern sich vom Webstuhl der Zeit abspinnen sieht, wieder hineinkam in das brandende Gewoge des Grossstadtverkehrs, da erschien ihm dieses ruhelose Hasten und Treiben aufs höchste widerwärtig. Es war gerade um die Mittagsstunde, und die Droschke, die ihn und sein Gepäck der mütterlichen Wohnung zuführte, nahm ihren Weg zunächst durch die Hauptverkehrsader der Leipziger Strasse. Was gingen ihn diese Tausende von Menschen an, die sich da in dichtem Gewimmel die Trottoirs entlang schoben, ungeduldig, nervös, die Gesichter abgespannt von der Arbeit oder von der Hetzjagd nach dem Gewinn, nur begierig,