Erstes Kapitel
In den letzten Jahren des siebenjährigen Krieges hatte Magdeburg, die große Elbfestung, das Hauptkriegsbollwerk des preußischen Staates, nach und nach eine Menge österreichischer Kriegsgefangener aufnehmen müssen. In jenen Tagen war das Loos eines Soldaten kein beneidenswerthes; im Gegentheil, es hatte mit dem Schicksale eines geplagten Hundes weit mehr Aehnlichkeit, als mit dem eines in der heiligen Taufe mit seinem richtigen Christentitel versehenen anständigen Menschen. War der Soldat namentlich einer von denen, welche man „unsicher“ nannte, so war die von allen Philosophen jedem menschlichen Individuum eingeräumte bestimmte Sphäre von Rechten für ihn die reine Illusion; die ganze Theorie von den Rechten und Pflichten des Menschen, von denen Cicero so schön geschrieben und Kant so tiefsinnig gedacht und Mirabeau so hinreißend gesprochen hat, – diese ganze Theorie stand in unglaublicher Abkürzung, aber mit sehr deutlicher grober Schrift vom Haselstock auf seinem Rücken geschrieben. Dem „Halbvertrauten“ ging es nicht viel besser, und nur dem „Ganzvertrauten“, dem mit Weib und Familie versehenen eingeborenen Landeskind, sah man wohl etwas durch die Finger, wenn ihn einmal das ungerechtfertigte Verlangen anwandelte, sich als Menschen zu fühlen, und wenn dies natürlich nicht zu oft vorkam. Man hatte ihn nöthig, um den Kerkermeister der Uebrigen zu machen! Das ganze System schien