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Im Venusberg

Im Monate August 1891 kam ich, nachdem ich in Bayreuth Tannhäuser, Tristan und Isolde, die Meistersinger und zum neuntenmale den Parsifal gehört hatte, nach Marienthal bei der alten Stadt Eisenach, wo ich vierzehn Tage verblieb. Das Zimmer, das ich bewohnte, hatte die Aussicht auf die hohe Wartburg hinaus und nach Osten auf den Zeselberg, den die Priester und Dichter ehemals den Venusberg nannten. Selbst der Stern Wolfram von Eschenbachs fehlte dem leichten Himmel dieser wagnerianischen Landschaft nicht. Ich war damals der Sünde so ergeben, daß ich, nachdem ich mich einmal an das südliche Fenster gelehnt hatte, es ein zweitesmal –selbst im Traume nicht mehr wagte. Ja, im Gegenteil, der Venusberg hatte für mich eine wunderbare Anziehungskraft. (Er steht allein unter allen anderen Bergen, die mit düstern Tannen bewaldet und mit feuchten Wiesen bewachsen sind, und ist nackt und rund wie eine Frauenbrust. Die Abendröte gab ihm manchmal ein fleischfarbenes Ansehen. An gewissen Stunden des Abends schien er zu atmen und zu leben. Man hätte glauben können, daß Thüringen wie eine Göttin in einem seltsamen grünen Kleide schlief und einen Teil ihres geheimnisvollen Leibes entblößte. Mehrere lange Abende hindurch beobachte ich diese merkwürdige Verwandlung des Venushügels. Ich beobachtete von weitem; ich näherte mich nicht, denn ich fürchtete die Illusion zu stören, die ich gewiß an dem

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