Chapter

Erster Teil

Über den verschneiten Waldhöhen des Fichtelgebirges ballte der Tauwind dunkle Wolken zusammen, riß sie in Eile wieder auseinander, so daß blasses Himmelsblau, ein kurzes Sonnenlicht aufleuchteten, als bräche die Urgewalt des Frühlings herein. Doch die Bewohner dieser einsamen Landschaft wußten: Wirbeltanz warmer Lüfte bedeutete jetzt nur ein Zwischenspiel, das ihnen zeigen wollte, sie würden nicht immer nach Wärme und Licht seufzen müssen. Es hatte schon strengere Winter gegeben, erzählten erfahrene Leute und fügten ihre wie Märlein klingenden Schilderungen von Kriegsgeschrei, dem Geschimmer böser Kometen und dem Einbruch fremder Völkerschaften hinzu. Die Alten wagten sich im Tauwind nicht aus ihren Hütten; Erfahrung warnte sie, sich dem Aufruhr in der Natur preiszugeben. Doch die Kinder waren dumpfen Kammern entwichen und umringten den Schlitten eines jungen Regierungsbeamten aus Bayreuth. Das Betteln erlaubt der Herrgott, lehrten die Eltern, und je nach Temperament wurde dreist oder schüchtern von diesem Vorrecht Gebrauch gemacht. Der Assessor Alexander von Egloff war auf die kleinen Überfälle vorbereitet, und er wußte zu den mitgebrachten Kupfermünzen und Süßigkeiten auch freundliche Worte zu geben. Ewiges Volk, dachte er beim Anblick der Kinderschar, ewiges Deutschland, schien ihm die heimatliche Landschaft zuzurufen. Ewig? Warum gebrauche ich dies ungeheuerliche, dies

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