Im Siegeskranze
Ja, mein liebes Kind, ich wundere mich wahrlich oft selber darob, daß der Himmel über einer alten Frau noch so blau sein kann und daß das Lachen immer noch gern mit ihren lahmen Füßen Schritt hält und nicht längst weiter gesprungen ist, dem jüngeren Volk nach und zu, was ihm viele Leute gewiß nicht verdenken würden. Aber es ist so, trotzdem es wohl recht hätte, anders zu sein, und weil wir grad dabei sind, so will ich die gute Stunde benutzen, um dir einmal ein wenig von dem zu erzählen, was alles der Mensch erfahren und ertragen kann, ohne in der Hand des Schicksals zu vergehen wie ein Flöckchen Werg auf einem Kohlenbecken. Man hat wohl Gelegenheit gehabt, etwas zu erleben, wenn man im Jahre achtzehnhundertundeins geboren wurde und seine Tage bis in diesen unruhvollen und angsthaften Frühling des Jahres sechsundsechzig fortspinnen durfte; und was die Eltern und Großvater und Großmutter anbetrifft, so ist das, als ob man hinabsieht in eine große dunkle Tiefe und sieht Lichter in dem Dunkel und Gestalten und hört allerlei Töne, daß einem ein Sehnen und ein Grauen um das Vergangene zu gleicher Zeit ankommt. Sieh, hier sitzen wir auf der Bank vor deines Vaters Hause, und du bist nun auch schon ein großes Mädchen geworden, und wer weiß, ob du nicht bald eine Braut sein wirst; das Plätzchen ist gut, und in den Wind werd ich auch nicht reden, du wirst's schon verstehen, wie ich's