Kapitel 1
»Wie dem nun auch sei, Tatsache ist, du hast die Dame besucht. Ich verbiete dir hiermit den Umgang mit dieser – Emma Dorn,« sagte der Gymnasialdirektor Adolf Körn zu seinem 19jährigen Sohn Karl in seinem strengsten Schultyrannenton. »Ich weiß zwar, du wirst doch hingehen, – aber ich verbiete dir den Umgang mit der Schriftstellerin Emma Dorn.« Wie ein tragischer Schauspieler deklamierte er in seiner grandiosen Manier, der kleine zierliche Mann, und schritt im Zimmer einher, genau wie er es in der Schulstube tat, wenn ein »großer Fall« seine Beredsamkeit weckte. Er spielte vornehm mit der linken Hand an seiner goldnen auf weißer Weste ruhenden Uhrkette, während die Rechte nachlässig-graziös seinen Worten tiefere Wucht zu geben bemüht war. Man sah ihm an, wie er in seiner eignen professoralen Würde schwamm, wie er seine eigne Größe kostete. Sein Anzug war ganz modern. Er ging jedes Jahr auf vier Wochen nach Paris, angeblich, um seine Aussprache zu verbessern. Seine Feinde sagten: er verbessere diese Sprachtalente dort oft in sehr »besserungsbedürftigen« Lokalen. Jedenfalls kleidete er sich sehr elegant: helle Hose, weiße Weste, schwarzer Rock. Sein ganzes Wesen machte den Eindruck des Jugendlichen, er suchte Schillerschen Idealismus zu vereinigen mit französischer Verve! Seine Züge waren immer noch hübsch, und ein lebhaftes schwarzes Auge deutete auf Temperament. Karl saß mit