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Im Jahr des Herrn

Im Jahr des Herrn 850 lag das Elend vielgestaltig auf den deutschen Landen. An den Nordküsten waren die Normannen plündernd und mordend hereingebrochen; in Thüringen und Hessen die Sorben. Dazu breitete sich eine schwere Hungersnot über alle Gaue. So ward das Maß des Jammers voll. In Strichen, die Frieden gehabt, schätzte man's hie und da, daß jeder dritte Mann Hungers gestorben; wie es aber gar in den vom Feinde verwüsteten Gauen ausgesehen, das weiß niemand zu sagen. Die Geschichte hat jenes Bild des Jammers in Vergessenheit gehüllt. Denn der Krieg war geführt worden als Vertilgungskrieg; darum zerstörte der Feind dem Feinde alle Pflanzungen und verderbte alle Feldfrucht, so daß auch der kleine Rest der hungrigen Ernte, den Gottes Barmherzigkeit übrig gelassen, durch der Menschen Erbarmungslosigkeit vernichtet ward. Des Nachts hatten Feuerzeichen des Himmels die schwere Zeit voraus verkündet. Eine Wolke stieg auf von Norden her und eine andere kam von Osten entgegen, und feurige Strahlenbüschel ohne Unterlaß gegeneinander schleudernd, stießen sie in der obersten Höhe des Himmels zusammen und verschlangen sich gleich zweien Heeren im Kampfe. Allen Menschen aber erzitterte das Herz; denn sie glaubten, der Herr habe sein Angesicht ganz abgewandt von dem deutschen Volke, und selbst die Hunde sollen dazumal kläglicher als sonst geheult, die Vögel betrüblicher gesungen haben.

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