Im Himmelmoos
In den baierischen Bergen – wir wollen den Ort nicht näher bezeichnen – liegt ein kleines reizendes Thal – da heißt es „im Himmelmoos.“ Der Name stammt von einem Moospflänzchen, dessen flachsblaue Blumen an die Farbe des Himmels erinnern und das dort einmal den ganzen Boden so dicht überdeckte, als wäre ein riesiger Teppich ausgebreitet oder als spiegele das Firmament sich auf dem Grunde wieder, wie auf einer Wasserfläche. Heute ist die Pflanze längst verschwunden, aber der Name blieb. Jetzt ist überall fester Boden und üppig grünende Wiese, wo früher der nahe liegende Bergsee sich heran gedrängt. Es ist, als habe das Gebirge absichtlich seine Flanken nach rechts und links wie Arme ausgebreitet, um von den Fruchtbäumen und dem aus ihnen emporragenden Hausgiebel jeden Windstoß oder rauhen Luftzug abzuhalten – darum blühen in dem kleinen Thalwinkel die Kirschbäume früher und tragen süßere Frucht als draußen am See, und wenn gegen das Dorf zu noch der Schnee liegt und kaum der Eisbart an den Dachrinnen zu tropfen beginnt, ist es bei dem Bauern im Himmelmoos schon „awer“ (aper, schneefrei); der Abhang ist wie überschüttet von Schneeglocken, Maßliebchen und Schlüsselblumen. Der Himmelmooser Hof ist ein schönes, stattliches Bergbauernhaus, um so reiner in der alten Form derselben erhalten, als keine Straße, sondern nur ein durchaus nicht verlockender Feldweg zu ihm führt, er also