Chapter

Im Hexenring

»Also tausend Dank, Wolfine!« »Auf Wiedersehen!« Sie streckte ihm die Hand noch einmal durchs Coupéfenster entgegen, und er führte die kräftige, unberingte Frauenhand, von der der Handschuh abgestreift war, an die Lippen, leise und sanft. Sie empfand noch das seelische Nachzittern dieser zarten Berührung, als der Zug bereits das Halblicht der Anhalter Bahnhofshalle verlassen hatte. Mit geschlossenen Augen lehnte sie in den Polstern und suchte den letzten Moment des Beisammenseins festzuhalten. Da sprach eine Dame sie an: »Ihr Herr Gemahl ist Marineoffizier, nicht wahr?« »Ja.« »Die Mütze und der Mantel kleiden doch zu reizend! Ihr Herr Gemahl hat wohl schon hohen Rang?« »Korvettenkapitän.« Es lag Wolfine auf der Zungenspitze, hinzuzufügen: »Er ist übrigens gar nicht mein Mann, sondern mein Vetter«: doch sie konnte sich nicht dazu entschließen, dieser Fremden Aufklärungen über Privatangelegenheiten zu machen. Darum schwieg sie und schloß wieder die Augen. Die neugierige Dame ihr gegenüber glaubte, sie wollte schlafen, und gab den Versuch auf, eine Unterhaltung zu führen. In Wolfines Ohren tönten noch die Worte: »Ihr Herr Gemahl.« Sie klangen ihr fremdartig nach einem stillen, warmen Glück. »Es sollte wahr sein,« mußte sie denken. Und alles stand ihr wieder vor Augen. Wie ihr Lieblingsvetter und guter Freund, der junge Graf Wolf von Hohenecke, sie damals, als sie noch ein scheuer

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