Es war einmal eine junge heitere Frau, gesund und wohlgemut.
Es war einmal eine junge heitere Frau, gesund und wohlgemut. Sie sah schlicht und recht aus und hieß Maria. Man sah ihr nicht an, daß sie schon durch tiefes Leid gegangen war. Mit zwei jungen Söhnen stand sie allein im Leben, hatte den geliebten Mann verloren und lebte still und gelassen in einer strengen Straße ohne Baum und Strauch. Ein dunkler Novemberabend. Schnee und Regen. Traurig und menschenfremd fuhr der Wind in seiner Urweltlichkeit durch die Straßen wie durch Gebirgsschluchten. Er sang sein ewiges Lied, das von den Menschen nichts wußte, strich an ihnen vorüber und an ihren düsteren Häusern, als führe er durchs Chaos – heute wie vor Ewigkeiten. Maria trat mit einem guten Freund aus einer hohen Haustür, aus der ein Gewimmel dunkler Gestalten strömte, denen allen beim Hinaustreten in das wilde Wetter von der Gewalt des Sturmes und des Regens der Atem stockte und die in Nebel und Dunkelheit geschoben und geweht wurden, sich zerstreuten im Gewirr von Straßen und Plätzen, über die die Bogenlampen ihren unbewegten Schein gossen, der durch Regenwasserschleier gespenstisch leblos leuchtete, ein gefangenes Licht, das die Menschen sich erlistet hatten. Maria und ihr Begleiter gingen fest und kräftig dem Sturmwind entgegen, wie der ganze dunkle Menschenschwarm, der sich in der Nacht zerstreute, es auch zu tun versuchte. – Sie kamen alle aus einem Vortrag. »Wie Raben tragen sie