Im Frühlingswald
Ein Vorfrühlingsabend war's noch, der über stillen Feldweiten lag, aber eine Ahnung des kommenden Mais rührte aus ihm an, durchschimmerte und durchhauchte ihn überall. Der Himmel war vor dem Auge so weich, wie die Luft für das Gefühl; wo der Pflug Schollen aufgeworfen, quoll der Erdgeruch, aus Winterstarre gelöst, in die Höh', und erster leiser Duft mischte sich ein. Da und dort hob ein Windhauch ihn auf und trug ihn aus dem Mittagswinkel einer noch kahlen Feldhecke her, an Waldrändern lagen goldhelle Fleckchen, wie sonderbar verirrter Sonnenglanz. Zusammengedrängte Himmelsschlüssel lösten dem Näherkommenden das Rätsel; dahinter zog es sich weiß zwischen die grauen Buchenstämme hinein, fast wie ein ausgebreitetes Linnentuch, Stern an Stern, leicht nickende Frühlingsanemonen. Irgendwoher mochte ein schmaler Fußsteig führen, zum Abweichen von der Straße, die drüben zum Dorf umbog, verleitet haben und sich im Feld verlaufen. Ein junger Mann mit eben erst gleich einem Schattenhinwurf sprießendem Bartflaum der Oberlippe, ein Student oder was er war, kam mit leichtem Wandergepäck auf dem Rücken weglos über einen Zaunwall herabgesprungen. Seine hellen, lebendigen Augen sahen umher, doch hier jetzt vergeblich. Niedrige, grüne Saat vor ihm und rundum Hecken ohne Ausgang. Aber dort hinüber, an einer der letzteren hin, etwas hell wie eine große Schlüsselblume und zugleich wie eine Anemone