Im Frieden des Sabbathlichtes
Im Frieden des Sabbathlichtes. Aus den vier Wänden des jüdischen Familienlebens. Indem ich mich anschicke, die Blicke der Leser auf einen Lebenskreis zu lenken, der einer nicht geringen Zahl derselben ein Gegenstand hergebrachten Spottes, den Meisten aber im Grunde noch ein mehr oder weniger verschleiertes Geheimniß ist, tauchen zunächst in meiner Erinnerung zwei leuchtende Augen auf und über die edeln Züge eines ernsten Gesichts sehe ich ein wehmüthig-mildes Lächeln gleiten. Vor mir steht die hohe und elegante Gestalt eines ergrauenden Mannes, mit dem ich einst in einem lieblichen thüringischen Badeorte vier genußreiche Wochen verlebte. Er gehörte zur –schen Beamtenaristokratie und sein Aeußeres zeigte unverkennbar den Typus derselben; bereits im Jahre 1849 hatte er aber seine langjährige Stellung als Chef einer hohen Behörde aus Besorgniß vor den Conflicten verlassen, in welche ihn seine freisinnigen politischen und religiösen Ansichten mit seinem Amte verwickeln mußten. Seitdem lebt er in ungestörter Muße den mannigfachen Studien, Forschungen und Arbeiten, zu welchen ihn eine eben so tiefe wie umfassende Bildung befähigte. Niemals habe ich ein so gründliches und ausgebreitetes Wissen mit so ernster Entschiedenheit des Charakters, so viel klare Schärfe der Auffassung mit so viel feiner und herzgewinnender Manier verbunden gesehen, als in dieser interessanten und geistvollen