Chapter

Erstes Kapitel

Mitten in Rhodenburg, einer ziemlich großen deutschen Provinzialstadt, dem alten, jetzt nur noch selten benutzten Schlosse gegenüber, wohnte in einem nicht sehr ausgedehnten, aber dafür höchst elegant eingerichteten Gebäude Freiherr von Solberg, aus einer alten, sehr reichen Familie und durch sein bedeutendes Vermögen auch vollständig unabhängig in der Welt gestellt. Da der Mensch aber nur in Ausnahmefällen selber weiß, wann es ihm wohl ist, und außerdem auch noch eine Beschäftigung verlangt, so suchte von Solberg bald nach seiner Verheirathung den Hofdienst und bekleidete jetzt die Stellung eines Kammerherrn, ohne jedoch verpflichtet zu sein, dem Hofe überallhin zu folgen. Nur im Spätsommer jedes Jahres zog auch der Hof, oft nur der Fürst allein, auf kurze Zeit nach Rhodenburg, und zwar auf ein benachbartes Jagdschloß, und hielt dort einen kleinen Hofstaat. Dann allerdings lagen dem Kammerherrn von Solberg die üblichen Functionen ob, die oft seine ganze Zeit in Anspruch nahmen. Freiherr von Solberg nannte sich aber mit Stolz einen »fürstlichen Diener«, war jedoch in der Zeit nicht einmal sein eigener Herr, viel weniger ein Freiherr. Gegenwärtig hielt der Fürst aber seinen Hofstaat in der Residenz – es war Frühjahr in Deutschland, und zwar ein so prachtvolles Aprilwetter, daß es den Sommer schon um diese frühe Jahreszeit hereinzauberte. Die glänzenden, klebrigen Knospenkolben

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