1. Kapitel. Ein verschwundenes Testament.
1. Kapitel. Ein verschwundenes Testament. »Herein.« Die Türe öffnete sich und auf der Schwelle erschien ein Mann in den dreißiger Jahren, der sich, den Hut in der Hand, ein wenig linkisch verbeugte. Das glatte, bartlose Gesicht machte ihn jünger, als er tatsächlich sein mochte, und die großen, blauen Augen mit ihrem offenen, treuherzigen Blick gaben seinem ganzen Wesen etwas harmloses und kindliches. Doktor Weiß musterte den Besucher von oben bis unten. Der Mann in der anständigen, wenn auch einfachen Kleidung, der wie ein Bittsteller an der Türe stand, schien ihm nicht besonders zu imponieren, denn beinahe schroff und barsch fragte er: »Was wollen Sie? Wie kommen Sie herein?« »Mein Name ist Hofmeister,« antwortete der Gefragte mit leiser Stimme, die seinem schüchternen Wesen ganz entsprach. »Ich bin von Beruf Privatdetektiv und geschickt von meinem Bureau, um –« »Ah, ganz richtig, ganz gut, ich habe Sie noch nicht erwartet, es ist kaum eine Viertelstunde, daß ich nach Ihrem Bureau telephonierte. Sehr angenehm, daß Sie so prompt sind, Herr – – – Hofmeister so war doch der Name, nicht wahr?« Der Detektiv verbeugte sich stumm, während der Advokat, dessen ganzes Wesen sich geändert hatte und dessen Miene jetzt von Freundlichkeit strahlte, ihm einen Stuhl hinschob und ihn zum Sitzen aufforderte. »So nehmen Sie doch Platz, mein Herr. Und entschuldigen Sie, bitte, den unhöflichen