Der Graf von Tannensee.
Vor dem Circus drängten sich neugierige Gruppen. Die so eben beendigte Vorstellung gehörte zu den vorzüglichsten Leistungen der Gesellschaft, welche sich nunmehr schon seit zwei Monaten in der Residenz aufhielt. Der Director derselben zeichnete sich vor seinen Collegen vortheilhaft aus durch den feinen Geschmack, den er in den Arrangements seiner Schaustellungen entfaltete, und die Mitglieder der Truppe, ihrer trefflichen Leistungen sich wohl bewußt, trugen mit Würde einen gewissen Künstlerstolz zur Schau. Am meisten Aufsehen erregte die junge Signora Graziosa Feliciani, ein Mädchen von seltener Schönheit. Graziosa trat wöchentlich nur zweimal auf, als müsse sie sich schonen, wenn sie aber im Circus erschien, wollte der Jubel der Zuschauer, der mehr noch ihrer bezaubernden Erscheinung, als ihren künstlerischen Leistungen zu gelten schien, gar kein Ende nehmen. Es konnte nicht fehlen, daß ein junges schönes Mädchen, welches mit so viel Anmuth und Gewandtheit ihr muthiges Roß tummelte, namentlich der vornehmen Männerwelt in die Augen fallen mußte. An jedem Abend füllte sich der Circus mit jungen Cavalieren, die nicht müde wurden, der reizenden Graziosa zu huldigen. Einzelnen mochte sogar das Feuer ihrer Augen gefährlich geworden sein, obwohl Signora Feliciani Niemand besonders auszeichnete. Heute war Graziosa zum ersten Male als florentinisches Blumenmädchen aufgetreten, hatte