Chapter

Erstes Kapitel Im kleinen Hause

Weit draußen, am Ende der kleinen Stadt, zwischen fruchtbergenden Scheunen und niedrigen Kätnerhäuschen, stand mitten in einem Garten ein einstöckiges Haus. Wilder Wein umrankte es bis zum First, so daß es einen sehr malerischen Anblick bot, obgleich es eigentlich sehr prosaisch war, ja einen mehr ärmlichen Eindruck machte. Nur der grüne Umhang der schwankenden Ranken verlieh dem Häuschen das lieblich poesievolle Aussehen. Eine grün angestrichene Tür führte auf den Vorplatz, der mit Steinquadern gepflastert war. Auf ihn mündeten verschiedene Türen. Aus einer leicht angelehnten Tür schwebten zierliche, bläuliche Rauchwölkchen hervor, die, sich verbreitend, den Duft von frischgebackenem Kuchen durch den Vorplatz trugen. Stimmen erklangen. »Schau, Mütterchen, wie köstlich der Napfkuchen gebräunt ist,« rief eine helle Mädchenstimme. »Vorsicht, Ilsedore, laß ihn nicht fallen,« warnte eine tiefere Frauenstimme. »Habe keine Sorge, Muttchen, mit solchem Prachtkuchen geht man schon vorsichtig um.« Die Küchentür wurde aufgemacht, und ein schlankes, junges Mädchen erschien auf der Schwelle. In den Händen hielt sie einen Teller mit dem »Prachtkuchen«. »Nun will ich gleich die Blumen zum Kranze pflücken,« bemerkte sie, das Köpfchen ein wenig zur Seite neigend. Ein neugieriger Sonnenstrahl umschmeichelte in diesem Augenblick die Gestalt des jungen Mädchens. Ihr schlichtes rosa Kattunkleid,

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