Chapter

Die Versuchung

Er ist ein Schurke, sagte der Herr. Er ist mein Mann, antwortete die Dame. Nicht viel in beiden Sätzen, doch beide kamen aus berstenden Herzen und von leidenschaftsblassen Lippen. Ist das deine Antwort, Barbara? Die einzige Antwort, die Gott und die Menschen mir erlauben, dir zu geben. Und er soll dir das Herz brechen und deinen Verdienst für seine niedrigen Laster vergeuden — dich in dieser schäbigen Unterkunft gefangen halten, während die ganze Stadt von deiner Schönheit und deinem Genie schwärmt — und du sollst keine Wiedergutmachung, keine Flucht haben? Ja, antwortete sie mit einem Blick, der ihn erregte, ich werde ihm entkommen — in meinem Sarg. Mein Unrecht wird wiedergutgemacht werden — am Tag des Gerichts. Barbara, er tötet dich. Glaubst du nicht, daß das die größte Freundlichkeit ist, die er mir je erwiesen hat? Der Herr begann unruhig im Zimmer auf und ab zu gehen. Die Dame wandte sich dem hohen schmalen Spiegel über dem Kamin zu, mit einem neugierigen Blick, halb trauernd, halb verächtlich. Sie betrachtete die Schönheit, die angeblich die ganze Stadt in Aufruhr versetzt hatte. Was zeigte ihr der trübe Spiegel? Ein kleines, blasses Gesicht, fahl und verbraucht von langen Nächten und einer schweren Last der Sorge, dunkle Schatten um dunkle Augen. Aber was für Augen! Sie schienen, in diesem kalten Licht des Tages, zu schwarz und groß und glänzend für das kleine weiße

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