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Ignaz Philipp Semmelweis

In Wien, in der Alser Vorstadt, dehnte sich das Riesengelände des Allgemeinen Krankenhauses, mit seinem schönen, ansehnlichen Empfangsgebäude, das von einem prunkvoll uniformierten Pförtner wie von einem Cerberus bewacht wurde, mit den unübersehbaren, langen Fensterreihen, den weiten Anlagen und Grünflächen inmitten, mit den vielen Einzelhäusern. Es enthielt auch die sogenannte Gratis-Gebäranstalt mit ihren beiden Abteilungen, das »Storchenhaus«, wie der Volksmund witzelte, das auf eine Stiftung des Kaisers Josef II. zurückging und vor mehr als sechzig Jahren, anno 1784, feierlich eröffnet und seiner Bestimmung übergeben worden war. Es war der Wille des Stifters, daß in diesem Teil der großen Anlage die mittellosen Frauen und Mädchen Aufnahme finden sollten, Angehörige der arbeitenden Schichten der Bevölkerung, des auf dürftigste Einnahmen angewiesenen Kleinbürgertums, die ihren Wehen, die der Geburt ihres Kindes entgegensahen und es sich nicht leisten konnten, wohl auch räumlich zu beschränkt wohnten, um eine Hebamme oder gar einen Arzt heranzuziehen und zuhause ihre schwere Stunde abzuwarten. Eine großherzige, eine wirklich wohltätige Stiftung – jeder, der guten Willens war, mußte das zugeben. Nahm sie doch Hunderten, ja, Tausenden von Armen, oft von Aermsten der Armen, all jene materiellen Sorgen wenigstens für die erste Zeit ab, die so oft die Stunde dunkel überschatteten,

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