Iffland
Durch die einsamen Gänge des Thiergartens schritt in heller Mondscheinnacht ein Mann in einen Mantel gehüllt und näherte sich einem Hause, das, abgesondert von den andern Häusern, in einer Gruppe von Bäumen stand. Die Bäume waren entlaubt, der Balkon des Hauses und die Stufen des Eingangs mit Schnee bedeckt. Es war im März und ein ungewöhnlich reichlicher Schnee gefallen. In der Vertiefung der Hausthüre kauerte eine Gestalt in Lumpen, die sich erhob, als der Mann sich näherte, und die ihm entgegen trat, um ein Almosen bittend. „Du bist dieselbe Kleine, die ich bereits zwei Mal beschenkt habe; zu oft darfst Du mir nicht kommen,“ sagte der Herantretende und wollte vorübereilen, allein das Bettelkind erfaßte seinen Mantel. „Herr! Die Mutter hat mich hinausgetrieben, mit leeren Händen darf ich nicht zurückkommen, es ist spät, es schenkt mir Niemand etwas in dieser abgelegenen Gegend; erbarmt Euch meiner!“ Der Herr stand auf der Treppenstufe still. Der Mantel war zurückgeschlagen und der Mond schien in ein bleiches, wohlgebildetes, ernstes Mannesantlitz, die Blicke waren auf die Kleine gerichtet und mit einer Stimme, der es nicht an Weichheit und Wohlklang mangelte, sagte er: „Deine Mutter war früher beim Theater, hast Du mir gesagt. Wenn es wahr ist, komm’ morgen gegen Mittag, wenn ich in die Stadt gehe, und zeige mir den Weg zu dem Hause, in dem sie wohnt; ich will sie sehen und