Die Leibeigenen
(1774) Michel Hell ging unter die Sonn, und der Mond da schwebet im Dunkeln Blau wie ein silberner Kahn und verkündiget heitere Pfingsten. Gern wohl hört ich vordem, wenn zum morgenden Feste der Küster Beierte; doch nun schallt's mir wie Totengeläut von dem Kirchturm! Hans Nicht so verzagt! Sieh, Michel, wie rasch heut alles mit Kalmus, Blumen und Maien sich schleppt und des Frühlinges heiligem Feste Kirch und Wohnungen schmückt! Man ruht doch einmal vom Frondienst! Komm, wir singen ein wenig; es klingt so prächtig des Abends. Lustig allein schon hemmt die getüderten Pferde vom Kornfeld. Lieblich rauscht ihr Gerupf und der Frösch anmutiges Röcheln; Lieblich darein auch tönet die Nachtigall (Michel wie sagst du?), Wie in den Salm der Gemeinde die liebliche Stimme Lenorens. Michel Hören wir denn in der Stille die Nachtigall! Hans, sie bewegt mich. Hans Weißt du das Lied: »Schon locket der Mai!« Dies lernt ich vom Küster Samt der Weis am Klavier (er hatt es auf Noten), den Sonntag, Als ich, zu einigem Lohn für mancherlei Lehr und Ermahnung, Einen bunten Kapaun mit gebrüteten Enten ihm hintrug. Lerne du dieses umsonst, und pfeife dazu auf dem Maiblatt. Michel Siehst du am Mühlenteiche die schimmernden Laken im Mondschein? Dort! und kennst du sie, Hans, die dort vergeblich ihr Brauthemd (Ach Unkundige!) bleicht? und nötigest mich zum Gesange? Hans Wohl! Lenore bewacht in der