An Herrn P. R. in E.
An Herrn P. R. in E. Hier haben Sie dann, mein Freund, diesen Idris, für welchen Sie, aus einigen Probestücken, ein so günstiges Vorurtheil gefaßt haben. So wenig ich sonst für die Spiele meiner launischen Muse partheyisch bin; (Ihre Kunstrichter wissen, daß dieses kein bloßes Vorgeben ist) so gestehe ich Ihnen doch, unter uns, daß es mich eine kleine Überwindung kosten würde, wenn Ihnen das Ganze (wenn man anders diese fünf Gesänge ein Ganzes heißen kann) weniger gefallen würde, als was Sie davon schon gesehen haben. Indessen bleibt es dabey: Ihr und Herrn W** Urtheil soll entscheiden, ob Idris, so wie er ist, sich unter die Augen der Kenner wagen dürfe. Sollte, wie mir eine geheime Ahnung sagt, Ihr Urtheil mehr meinen Wünschen, als vielleicht den Verdiensten meines irrenden Ritters entsprechen, so werden Sie mir, weil ich doch am meisten dabey Gefahr laufe, erlauben, meinen übrigen Freunden, oder wem dieses Gedicht sonst in die Hände fallen mag, vorher einige kleine Nachrichten zu geben, wodurch sie bewogen werden mögen, es mit einiger Nachsicht anzusehen. Von den Kunstrichtern oder Journalisten (denn ich sehe, daß diese zween Namen bey unsern Landsleuten einerley Bedeutung haben) erwarte und erbitte ich keine Gelindigkeit. Ich habe mir bereits die Freyheit genommen, mich dieser Herren wegen in der neunten und zehnten Stanze des ersten Gesangs zu erklären. Alles, was ich noch