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Kindheit in Nordböhmen

Teplitz, das jetzt zu einer ganz bedeutenden Bade- und Fabrikstadt herangeblüht ist, war vor einem halben Jahrhundert nur ein mäßig besuchter Kurort, dessen jährliches Fremdenkontingent wenig über tausend Personen betrug. Das heute mit Teplitz zusammengewachsene Schönau stand damals noch ziemlich weit abseits und hatte, die Badeanstalten abgerechnet, noch einen rein dörflichen Charakter. Die Stadt und Dorf verbindende Mühlstraße bestand aus einer ganz lückenhaften Reihe einzelner zerstreuter Wohnungen, die sich an eine kahle, steinige Bergwand lehnten und den Ausblick auf Felder und einen weiten Wiesengrund hatten. Dort lief ein Bach zwischen uralten Weiden hin, dort weideten Kühe, und eine primitive Mühle, die sogenannte Pulvermühle, tummelte dort ihre Räder. Dieser einsamen Mühle gegenüber hatte sich mein Vater nach bewegten Wanderjahren als Badearzt niedergelassen und sich ein nur einstöckiges, aber nettes und wohnliches Haus gebaut. Von den beiden hüttenähnlichen Wohnungen in unserer Nachbarschaft gehörte die eine einem Vogelhändler, die andere dem »Dresdener Boten«, Kuhmann. Dies Haus, das wir allein bewohnten – es war geschlossen, und wer bei uns erscheinen wollte, mußte den stets blanken messingenen Glockenzug benutzen, was für Teplitzer Gewohnheiten neu war –, bildet mit seinem Garten den bescheidenen Hintergrund meiner Erinnerungen aus der Knabenzeit. Der Vater hatte

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