Ein Vorspiel
Drei Stunden schon dauerte der Vorbeimarsch. Kaiser Julianos hielt auf seinem schweren Fuchs nicht weit vom Statthalterschlosse, am Ende der breiten Hafenstraße, umgeben von Offizieren, Beamten, Geistlichen und Literaten. Seit drei Stunden zogen an ihm die Regimenter vorüber, welche den Marsch nach Asien, den Siegeszug gegen die Perser antreten sollten. Hier, auf dem Hauptstapelplatze Alexandrias, hatte der Kaiser die Parade abgenommen; gegenüber am Bollwerk des neuen Hafens ankerten die Schiffe, welche noch heute abend ihn selbst und seine Begleiter nach Antiochia bringen sollten. Von dort wollte der Kaiser mit dem syrischen Heere der ägyptischen Armee zuvorkommen. Die Zuschauer fingen bereits an zu ermüden. Es war erst die zehnte Stunde des Vormittags und im März, aber die Sonne brannte so glühend heiß auf die Stadt nieder, daß der Pöbel von Alexandria wünschte, das afrikanische Armeekorps wäre kleiner. Zwei Fellachenjungen saßen auf einem starken Pfahle und hatten ihre langen Arme einander um die schwarzbraunen nackten Leiber geschlungen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. »Du,« rief der eine, »sieh mal, ein Philosoph ist über das Dach geflogen!« Ein Marabu, den die Alexandriner, unbekümmert um seine Storchgestalt, nur um seines sonderbaren kahlen Kopfes willen den Philosophenvogel nannten, schwebte in ruhigem Fluge über das Dach der Akademie herüber, zog zwei weite,