Kapitel 1
Herr Hans Hillebrandt, der Richter eines Grenzstädtleins an der böhmischen Markung und einer der größten Kaufherren um und um, schrieb mit etwas ungelenker Hand das laufende Datum auf die erste bis auf die Überschrift »Saltz, so von den Säumern an die hiesige kays. Saltzniederlage abgeliefert worden ...« noch leere Seite eines daumendicken Buches: »Am 20. Maji 1424 ...« Dann stellte er sich breitspurig vor das Pult, darauf das neue Buch lag, und schaute zu, wie die derbschlächtigen, wetterharten Säumerknechte Sack um Sack herbeischleppten und in eine Ecke des Gewölbes zum Haufen schichteten. Ein paar Male kraute er sich mit den Fingern durch den sorgsam eben geschnittenen, fahlrötlichen Bart, und nachher steckte er beide Hände tief in die Taschen des weiten Mantels. Kein Zucken verriet in seinem wie aus hartem Buchenholze geschnittenen Gesichte die Freude, die in seiner Brust krabbelte wie ein Haufen Ameisen im ersten warmen Sonnenscheine, und beinahe gleichgültig verfolgten seine Blicke das Tun und Treiben der wildbärtigen Gesellen ... Das erste Salz in seinem Gewölbe und das erreichte Ziel jahrelangen Trachtens und Mühens! Salz! Eine Ware wohl wie jede andere, eine Ware, die nicht mehr Gewinn abwirft wie jedwede, ja, bei der er nicht einmal selbst den Preis bestimmen kann, die aber durch den großen Absatz den Gewinn häuft und auch den Absatz anderer Waren mit fortreißen muß.