Hunnenblut
Wenn der Inn, und ungefähr zehn Meilen östlich von ihm sein größter Zufluß, die Salzach, aus den letzten Alpenbergen hervorbrechen, wendet die letztere sich nordwärts, der erstere sich in einem Halbbogen nach Nordosten. So münden sie zusammen und halten ein, im ganzen angesehen, keilförmiges Gebiet, ein Dreieck umschlossen, dessen südliche Basis der Alpenrand zwischen den Städten Rosenheim und Salzburg bildet. Dies Dreieck ist der alte Chiemgau mit dem größten innerhalb Deutschlands belegenen See, dem Chiemsee. Der Abfluß desselben, die vielgekrümmte, fast immer klar-durchsichtige grüne Alz teilt den Chiemgau in zwei ziemlich gleiche Hälften. Sie nimmt ein paar Stunden unterhalb ihres Austritts aus dem See die von Südosten aus dem Gebirge kommende Traun auf und führt die verbündeten Wasser gen Norden in den Inn. Hier ist alles Land Menschensitzstätte aus grauer, vorgeschichtlicher Zeit. Kelten bewohnten zuerst die an Hügeln und Niederungen, Wäldern und Wiesen reiche Gegend. Sie errichteten ihrem obersten Gotte Bid oder Bel, der vermutlich in einem Abstammungsverhältnis zu dem Bal-Marodach, dem Sonnengott der semitischen Babylonier, gestanden und die höchsten Naturkräfte, besonders die der Sonne, des Windes und des Wassers in sich vereinigt zu haben scheint, Heiligtümer; es regt den Eindruck, daß die Landschaft um den See den Rang einer vorwiegend geheiligten bei ihnen