Chapter

Edimburg

Ich müßte sehr undankbar seyn, mein liebster Lukas, wenn ich nicht geneigt wäre, von diesem Volke vortheilhaft zu denken und zu sprechen, unter dem ich in wenigen Wochen mehr Gutheit, Gastfreyheit und vernünftiges Vergnügen genossen habe, als in irgend einem Lande während meiner ganzen Lebenszeit. – Mags doch seyn, daß die Unpartheylichkeit meiner Bemerkungen ein wenig nach dem Danke für diese Wohlthaten schmecke; ein Mensch kann sich eben sowohl durch besondre Wohlgewogenheiten für ein Land, als durch heimliche und persönliche Abneigungen wider dasselbe einnehmen lassen; und bin ich partheyisch, so ist doch wenigstens einiges Verdienst bey meiner Bekehrung von einem eingeschränkten Vorurtheile, das mit mir aus der Kindheit aufgewachsen ist. Die ersten Eindrücke, die ein Engländer in diesem Lande empfängt, sind eben nicht von der Beschaffenheit, daß sie ihm seine Vorurtheile benehmen könnten, weil er alles was er sieht, mit ähnlichen Artikeln in seinem Lande in Vergleichung zieht, und diese Vergleichungen sind Schottland in allem Aeußern nachtheilig, worunter ich den Anblick des Landes, in Absicht auf den Anbau, die Gestalt des großen Haufens unter dem Volke, und die Sprache des allgemeinen Umganges rechne. – Die Gründe des Herrn Lismahago haben mich noch so weit nicht gebracht, daß ich nicht noch immer der Meynung seyn sollte, die Schottländer würden für sich selbst ganz wohl

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