Vorrede
Die Legende erzählt von Sankt Hubertus, daß er im rauhen Wald auf der Jagd zwischen dem Geweih eines halb zu Tode gehetzten Hirsches ein weißes Kreuz blitzen sah und daß er ob dieses Wunders auf die nackten Jägerknie sank und die Armbrust fallen ließ. Nach diesem Erlebnis wurde der bisher sehr leichtlebige Prinz von Aquitanien ein stiller Heiliger. – Der »Hubertus«, von dem dieses Buch erzählt, war kein Prinz, nicht einmal ein Jäger, noch viel weniger ein Heiliger. Aber er heißt mit Recht »Hubertus«. Er hat wie ein loser Prinz viele Freuden des Lebens sorglos, ja gewissenlos genossen; er hat gejagt nach Gold, Macht, Ansehen, Weiberlust, Weinlaunen, Spielgewinn und hat eines Tages ein weißes Kreuz leuchten sehen, worauf ihm alle Jägerlust erlahmte und er ein stiller Mann wurde. Lange vor Abend ward er müde. Da sah er auf irgend einer Pürsche das Kreuz des großen Leides. Ob es in den Augen eines geputzten, verlorenen, plötzlich in Tränen ausbrechenden Weibes blitzte? Ob es auf die Stirn eines Hungergesichtes gezeichnet stand, das durch die Fensterscheiben eines Saales schaute, in dem er praßte? Ob es in einer Sakristanlaterne leuchtete, die zu einem Sterbenden führte und der er auf nächtlichem Heimgang übersatt und halbberauscht begegnete? Oder ob er es schweben sah über dem weißen Totenkissen, auf das sein lebenstollster Freund frühzeitig das Haupt zur Ruhe betten mußte?