Das-Hochwasser-Und-Der-Waffenstillstand
Neun Jahre lang hatte Liesel ihre Honigkuchen an Stand vierzehn verkauft, und acht davon hatte Anton seine gebrannten Mandeln genau gegenüber feilgeboten, und die beiden hatten die Kunst vervollkommnet, einander höflich zu hassen.
Es war eine saubere Rivalität, die Art, die ein kleiner Markt braucht. Er unterbot ihren Glühweinpreis um zwanzig Cent; sie öffnete zehn Minuten früher; er hatte einmal, skandalös, seine Mandeln mit Kardamom gewürzt, von dem jeder wusste, dass es *ihr* Gewürz war. Sie wurden nie laut. Sie führten schlicht einen langen, gesitteten Krieg aus Glühwein und Lebkuchen über vier Meter Kopfsteinpflaster hinweg, und Liesel hätte einem gesagt, sie ziehe es so vor. Sie war lange genug Witwe, um die Wärme einer Fehde leichter zu tragen als andere Arten.
Dann stieg in der Nacht der Fluss.
Sie kam im blauen Dunkel vor der Öffnung an und fand den halben Markt verwüstet — Planen heruntergerissen, Stände eingeknickt, die Gasse eine Fläche aus schwarzem Eis und Hochwasser. Stand vierzehn war fort. Antons gegenüber war fort. Und der Marktmeister, grau vor Schlaflosigkeit, ging die Reihe hinab und sprach zu jedem denselben tonlosen Satz: *ein Stand pro Paar, der noch steht, zwei Händler in eine Bude, nehmt es oder geht für die Saison heim.*
Er steckte sie natürlich zusammen. Natürlich tat er das.
"Auf keinen Fall", sagte Anton, im selben Augenblick, in dem Liesel