Chapter

Hochpreisliche Dekrete

Eine Verwaltungsgeschichte. Es ist schon lange her, wohl hundertzwanzig Jahre. Ein sonniger Frühlingstag ging zur Rüste, und ein goldblauglänzender Abendhimmel war ausgespannt über dem welligen bayerischen Nordgau. Zwischen hohen, waldbedeckten Hügeln stieg die Heerstraße steil empor, im dämmerigen Grunde rauschte ein starker Bach, mit den Wipfeln der Tannen und Fichten spielte ein sanfter Wind, und in der Tiefe der Wälder rief der Kuckuck – traumverloren, aus weiter Ferne. Starke Rosse zogen ein leichtes Wägelchen bergan, schnauften und stampften, und die Räder knirschten leise auf der feuchten, sandigen Fahrbahn. Die Geschirre glänzten im Zwielichte, rund um das Wägelchen war eine Guirlande aus Tannenzweigen geschlungen, und der alte Mann, der neben seinen Rossen schritt, war festlich gekleidet: Mann und Rosse waren ausgesandt worden, die neuen Pfarrleute einzuholen. Schier endlos zog sich die Straße empor, bei jeder neuen Biegung ging es wieder bergan. »Brrr!« sagte der Mann, und die Rosse standen. Dann nahm er die silberbeschlagene Pfeife aus dem Rocke, stopfte sie und schlug Feuer. Dabei blickte er verstohlen den Weg zurück. Aus der Tiefe kam langsam der neue Pfarrherr mit seinem jungen Weibe. Er hatte den Hut abgenommen, und blonde Haare umwallten das Haupt. Sie aber schmiegte sich enge an ihn, als fürchte sie die Schatten des Abends. Plötzlich blieb sie stehen, zog die

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