Chapter

Hirtennovelle

Seinen Vater erschlug ein stürzender Baum um die Mittagszeit eines blauen Sommertages. Ihm allein war bestimmt, vom Rande der Lichtung aus zuzusehen, wie der Wipfel der hohen Fichte zu beben begann und wie sie. ohne hin und her zu schwanken wie sonst, sich plötzlich einmal um sich selbst zu drehen schien, ganz schnell, mit waagerecht kreisenden Zweigen, bevor sie niederbrauste gleich einem aus den Fundamenten geworfenen Turm und mit dem Donner ihres Sturzes den leisen Schrei verschlang, der zu ihren Füßen aufstand gegen das niederbrechende grüne Gebirge. Die Lippen halb geöffnet, an denen der Saft der Heidelbeeren noch nicht getrocknet war, stand das Kind, dem Anblick des Gewaltigen hingegeben, und erzitterte mit der Erde, auf der es mit bloßen Füßen stand, bis die Wolke aus Blutenstaub im leisen Wind waldeinwärts gezogen war und das Grün und Ungeheure nun regungslos quer über die Lichtung geschleudert lag. Es wunderte sich nicht, daß der Vater nicht zu sehen war, dessen Kraft und Kühnheit dies vollbracht hatte, und auch nicht der andere Mann, den sie den »Soldaten« nannten und der mitunter die Schneide der Axt an die Schulter legte, den langen Stiel gleich dem Lauf eines Gewehres auf sie gerichtet, wozu er auf eine erschreckend täuschende Weise Schuß auf Schuß mit den Lippen auf ihre zerstiebende Schar schleuderte. Und da das Kind Michael diesem verderbenbringenden Gewehrlauf

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